Umweg 400: Warum es für das bunte Leben nie zu spät ist – mit Pina von pinapina.
Manchmal verläuft das Leben nicht geradlinig – und das ist auch gut so. Pina Weiß, das Gesicht hinter dem Kölner Label pinapina, vereint zwei Welten, die auf den ersten Blick recht unterschiedlich wirken: Grafikdesign und soziale Arbeit. Mit 31 Jahren wagt sie im kommenden Herbst noch einmal den Schritt in ein duales Studium, während ihr buntes Label auf den Kölner Kreativmärkten längst ein fester Bestandteil ist.
Ein Gespräch über die Schönheit von Umwegen, den täglichen Spagat zwischen bunten Perlen und Wäschebergen und die Kunst, endlich an sich selbst zu glauben.
1. Was treibt dich morgens aus dem Bett?
Pina: Wenn ich so recht darüber nachdenke, ist das sogar einiges! Am meisten motiviert mich die Sonne, wenn sie scheint. Irgendwie ist jeder Tag automatisch ein guter Tag, wenn ich weiß, dass draußen die Sonne scheint. Was mich auch antreibt, sind die Kinder bei meiner Arbeit und die Gewissheit, dass es dort garantiert etwas zum Lachen geben wird. Und natürlich der erste Kaffee zu Hause – der ist vor allem Anderen meine allererste Priorität am Tag!
2. Was ist der unglamouröseste Teil deines Alltags, den niemand auf Instagram sieht?
Pina: Die klassischen Horror-Dinge des Alltags wie Einkaufen, Wäscheberge abarbeiten, Kochen… Sowas zeige ich einfach nie auf Social Media. Ich teile dort auch nicht, wenn ich mal wirklich gestresst oder traurig über etwas bin. Man bekommt es höchstens indirekt mit, weil es dann auf meinem Profil einfach mal ganz still ist.
3. Welche Dinge, Orte, Menschen inspirieren dich zur Zeit?
Pina: Obwohl ich im trubeligen Köln lebe, würde ich sagen: Ruhe inspiriert mich. Ich gehe unheimlich gerne lange spazieren oder neuerdings auch joggen. Eine weitere große Inspirationsquelle sind für mich die kleinen Alltagssituationen – wie ein lustiges Gespräch mit einem Kind auf der Arbeit. Oft schreibe ich mir solche einzelnen Sätze direkt auf. Mein großer Traum ist es, dazu bald mal etwas Lustiges in meinem ganz eigenen Stil zu illustrieren (wenn denn mal die Zeit da wäre…). Ansonsten inspirieren mich Farben, Formen, Muster, ein schönes Outfit oder auch einfach ein richtig gutes Buch.
4. Wenn du deinem aktuellen Lebensabschnitt einen Filmtitel geben müsstest, wie würde er heißen?
Pina: Wahrscheinlich wäre das entweder „Jetzt oder nie“ oder „Umweg – Teil 400“. Ich bin jetzt 31 und fange ab September an, neben meinem Label pinapina noch einmal dual Soziale Arbeit zu studieren. Eigentlich dachte ich immer, dass ich Anfang 30 schon Kinder bekommen würde. Aber wie das Leben eben so spielt.
Es ist wohl jetzt oder nie, auf Umweg 400, dass ich diesen Weg doch noch gehe.
5. Was hast du durch deine Arbeit über dich gelernt?
Pina: Ich habe gelernt, dass ich trotz meines abgeschlossenen Grafikdesign-Studiums genau dem nachgehen möchte, was sich für mich einfach nur richtig anfühlt: der Arbeit im sozialen Bereich. Ich quäle mich heute nicht mehr zur Arbeit, sondern sie macht mich glücklich. Ich weiß, dass das ein riesiges Privileg ist und kaum jemand von sich sagen kann (ich früher übrigens auch nie).
Das Schöne ist: Alles, was ich im Studium über Layout, Corporate Design und Bildsprache gelernt habe, fließt jetzt in pinapina. Es hat sich also so oder so gelohnt und ich bin froh, wie alles gelaufen ist.
Mit meinem Label kann ich auf eine Weise kreativ sein, wie ich es in der Arbeitswelt als angestellte Grafikerin nie hätte sein können. So kann ich beide Seiten in meinem Leben verwirklichen, ohne eine Leidenschaft an die andere zu verlieren.
6. Worauf bist du stolz?
Pina: Ich bin unglaublich stolz darauf, dass ich mich traue, diesen Schritt zu gehen und mit über 30 noch einmal ein Studium zu absolvieren. Genauso stolz macht es mich, dass mein kleines Kreativlabel im ganzen Trubel meines Alltags nie untergegangen ist.
Und zu guter Letzt: dass ich in Köln an fast jedem Kreativmarkt teilgenommen habe, den es hier gibt – sei es der Neogreenmarket, der Obstmarkt oder das Eat Play Love Festival am Fühlinger See. Dadurch habe ich mittlerweile das Privileg, direkt angefragt zu werden und mich nicht mehr bewerben zu müssen. pinapina steht bei den Veranstaltern einfach schon auf dem Zettel.
7. Welches Projekt würdest du sofort starten, wenn es kein „Scheitern“ gäbe?
Pina: Oh, da gibt es einige! Ich würde unheimlich gerne T-Shirts mit meinen bunten Farben und Zeichnungen gestalten. Oder ein Kinderbuch schreiben und selbst illustrieren. Ich würde auch gerne für eine gewisse Zeit im Ausland leben und dort vielleicht ein eigenes Atelier haben. Und ich würde mir eine riesige Leinwand kaufen und einfach ganz frei drauf losmalen.
8. Wofür hättest du gerne viel mehr Zeit?
Pina: Momentan ehrlicherweise für gefühlt alles. Neben meinem Job gelingt es mir gerade leider so schlecht, noch etwas für pinapina zu machen. Ich vermisse es richtig, zu fotografieren, neue Produkte zu gestalten oder einfach mal ganz entspannt einen Post zu machen. Ich hätte auch gerne mehr Zeit für die rein spaßigen Dinge im Leben – wie mitten in der Woche einfach mal in einem Café zu sitzen, ganz ohne To-do-Liste im Kopf.
9. Was fällt dir bis heute richtig schwer?
Pina: Es fällt mir schwer, den Druck auszuhalten, wenn man nicht so abliefert, wie man es gerne würde. Ich weiß genau, dass ich viel mehr machen könnte und ich habe so viele tolle Ideen im Kopf. Aber die Zeit ist gerade einfach nicht da.
10. Was lernst du gerade neu?
Pina: Ich lerne gerade neu, wieder an mich selbst zu glauben und meinen Werdegang mit all seinen Umwegen als „Winning“ anzusehen. Früher war das für mich innerlich oft ein großes Scheitern. Aber heute möchte ich lernen, dass es absolut okay ist, so wie es ist.
Es ist so schön, endlich zu wissen, was ich wirklich machen möchte, und es fühlt sich umso besser an, jetzt in diesen ganz eigenen Weg zu investieren.
Tausend Dank Pina, für diesen ehrlichen Einblick in deinen Alltag rund um pinapina. Wir können es kaum erwarten zu sehen, wie deine Reise auf Umweg 400 weiter geht. Ketten, Ohrringe und mehr von pinapina aus Köln findet ihr bei uns unter der Kategorie Schmuck.
Veröffentlicht am 04. August 2026, Talisa